Ökumenische Gemeindereise nach Griechenland (3. Tag)

3. Tag – Montag, 03.09.2018

Der dritte Tag wurde der heutigen Hauptstadt Griechenlands, Athen, gewidmet. Das Programm war durch zwei sehr gegensätzliche Programmpunkte geprägt. Zunächst der Einblick in die deutschsprachige, evangelische Kirchengemeinde, im Anschluss die Akropolis und Massen von Touristen aus aller Welt. Doch der Reihe nach:

Nach kurzer Busfahrt und einem kleinen Spaziergang, vorbei an einer Bäckerei mit echten (?) Laugenbrezen erreichten wir die evangelische Kirche und das dazu gehörige Gemeindezentrum. Noch sind Sommerferien und die Verwaltung steht still. Auch der Pfarrer war noch im Urlaub, aber Hilde Hülsenbeck vom Pfarramt hieß uns herzlich willkommen und gab uns einen spannenden Einblick in die Geschichte und heutige Situation dieser Kirchengemeinde. Offiziell lautet ihr Name Evangelische Kirche deutscher Sprache in Griechenland (http://ekathen.org/) und bringt damit zum Ausdruck, dass sie sich an alle deutschsprachigen evangelischen Christen in Athen richtet.
 
Das Gemeindehaus wurde im Jahr 1934 freigestellt, die gegenüber liegende Christus-Pantokrator-Kirche, als eines der wenigen sakralen Gebäude im Bauhaus-Stil, wurde 1936 fertig gestellt. Damit ist die fast so alt wie unsere Erlöserkirche. Eine Besonderheit für eine Kirche in Griechenland ist die Orgel. Die mehrheitlich orthodoxen Kirchen kennen dieses Instrument nicht. Daher erfreut sich die Kirche auch über rege kulturelle Nutzung, zum Beispiel wenn Musiker eine Orgel für ihre Aufführung brauchen.
 
Die Gemeinde zählt heute nur noch 160 Gemeindeglieder. Die Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre hat auch hier ihre Spuren hinterlassen. Deutsche Firmen entsenden aktuell kaum noch Mitarbeiter und deren Familien nach Griechenland. Somit fehlen aber nicht nur die Menschen, auch die finanziellen Mittel sind sehr, sehr begrenzt. Ältere Gemeindeglieder können sich bei 300 bis 600 Euro Rente im Monat im Winter kaum noch das Heizöl leisten, wie soll da noch was für die Kirchengemeinde übrig bleiben? 
 
Auch beim Nachwuchs ist die Situation nicht so einfach: Kinder aus orthodox-evangelischen Familien werden orthodox getauft, aber immerhin gab es dieses Jahr 8 Konfirmanden. Auf institutioneller Ebene wird das Zusammenleben der orthodoxen und der evangelischen Kirche in Athen als eher schwierig beschrieben. Entspannter gehen die Menschen der beiden Konfessionen miteinander um, hier sind es meist die Kinder, die dieselbe Schule besuchen, die Brückenbauer. 
 
Das Thema Flüchtlinge hat sich natürlich auch in Griechenland und in der evangelischen Kirche in Athen zu einem Schwerpunktthema entwickelt. Anfänglich stand die Grundversorgung mit Essen und Trinken an, mittlerweile bietet die Kirche ihre Gästezimmer als Unterkunft an und favorisiert das Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe". Davon zeugen auch die Tafelaufschriebe der letzten Deutschstunde im Gemeindesaal.
 
Die Christus-Pantokrator-Kirche bot den heutigen Rahmen für den ökumenischen Gottesdienst von Pfarrerin Simojoki und Pfarrer Wolf. Die Orgel war leider nicht zu hören, dafür wurde kräftig gesungen und intensiv der Predigt von Pfarrerin Simojoki gefolgt. Ganz wunderbar hat Sie den Bogen von Paulus und seiner Zeit zu uns heute auf seinen Spuren gespannt. Vom Elan und Enthusiasmus der ersten christlichen Gemeinden, aber auch den unterschiedlichen Bewertungen, wie denn der neue Glaube zu leben sei. Und von Paulus, der gebeten wurde, dass Chaos ein bisschen zu ordnen und den Menschen eine Richtung zu geben. Zentral dabei auch wieder der Gedanke der Einheit. Damals war sie notwendig, dass sich die jungen christlichen Gemeinden weiter entwickeln konnten und sich nicht selbst zerrieben haben. Heute ist es der ökumenische Aufruf, sich auf die eine Taufe und den einen Gott zu besinnen, egal ob orthodox, katholisch oder evangelisch. Gemeinsam sind wir Christen.
 
Nach diesen Worten bekam das gemeinsam gesprochene Glaubensbekenntnis an diesem fernen Ort noch einmal eine tiefere Bedeutung. 
 
Nach wenigen Kilometern im Bus folgte dann der zweite Punkt auf dem heutigen Programm: Sightseeing wie es viele tausende Touristen täglich in Athen erleben. Rund um die Akropolis herrschte reges Treiben und eine Besuchergruppe nach der anderen schob sich den Felsen hinauf wie einst die schweren Marmorblöcke. Bei all den Selfies fällt es schwer sich in Gedanken vorzustellen, wie die Akropolis wohl aussah, als sie in voller Blüte stand? 
 
Unterhalb des Aeropag Felsens steuerte Pfarrer Wolf ein schattiges und sogar ruhiges Plätzchen an, um aus der Apostelgeschichte (Apg 17, 16-34) die Rede des Paulus am Aeropag vorzutragen. Wieder ein spannender Moment auf Paulus Spuren, wenn das Bibelworte mit dem Ort, an dem man sich gerade befindet, überein stimmen.
 
Zu Fuß ging es dann runter in die Plaka, die Altstadt von Athen. Auch hier wieder deutliche Spuren touristischer Aktivität: ein "Fachgeschäft" reiht sich ans nächste ... so eine Dichte an Souvinierläden bleibt Bamberg hoffentlich noch sehr lange erspart.
 
Am späten Nachmittag verließen wir das heiße Athen und steuerten den Ort Arachova, im Parnass-Gebirge, ungefähr 115 km westlich von Athen, an. Von hier aus geht es morgen weiter zum Heiligtum Delphi ...

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