Ökumenische Gemeindereise nach Griechenland (4. Tag)

4. Tag – Dienstag, 04.09.2018

Nachdem wir gestern ja schon einen Großteil der Strecke in Richtung Delphi gefahren waren, war es heute morgen nur noch ein Katzensprung von Arachova aus. Das zeitige Aufstehen hat sich gelohnt: die Morgensonne brannte noch nicht so heiß über den Bergen und das Heiligtum von Delphi war noch nicht so überlaufen.
 
Mit den zahlreichen Erklärungen von Petra, unserer Reiseführerin, im Ohr erkundeten wir das Areal hoch oben in den Bergen. Hier wird über 2500 Jahre alte Geschichte erlebbar. Am Anfang durchschritten die Besucher die ausgestellten kostbaren Weihegeschenke und brachten auch selber weitere Kostbarkeiten mit. Schließlich ging es darum, die Götter durch die Opfergabe und Geschenke wohlgesonnen zu stimmen. Von zentraler Bedeutung waren natürlich die Vorhersehungen des Orakel von Delphi. Es war nicht immer ganz eindeutig, was das Orakel vorhersagte und die richtige Deutung erschloss sich oft erst, als es schon zu spät war.
 
"Der Nabel der Welt", in steinerner Form und gleich zweifach vorhanden, zeugt davon, dass die Menschen der Antike in Delphi den Mittelpunkt der damals bekannten (Scheiben-)Welt sahen.
 
Im benachbarten archäologischen Museum gab es dann die wertvollen Fundstücke zu besichtigen. Die Menge und Qualität war schon sehr beeindruckend, viel zu viel als dass man alles hier aufzählen könnte. Dennoch sollen die gold- und elfenbeinverzierten archaischen Köpfe und der bronzene Wagenlenker von Delphi nicht unerwähnt bleiben.
 
Vor dem Mittagessen erlaubte der straffe Zeitplan noch einen kurzen Spaziergang durch das nahe gelegene Bergdorf Arachova. Von hier aus ist es nicht wir zu den Skigebieten im Parnass. (Wobei die Vorstellung an Skifahren bei den heutigen Temperaturen wirklich schwer fällt.)
 
Am Nachmittag stand das Kloster Hosios Loukas, Kloster des heiligen Lukas (nicht zu verwechseln mit dem Evangelist Lukas) auf dem Programm. Etwas abgelegen dafür um so idyllischer liegt das Kloster in der Berglandschaft. Wieder ein wunderbarer Ort für eine Andacht unter freiem Himmel bzw. im Schatten. Begleitet vom Gesang der Gruppe und dem Zirpen der Grillen stand heute das Hohelied der Liebe aus dem 1. Korinther 13, 1-13 im Mittelpunkt. Pfarrer Markus Wolf hat die wohl bekannten Worte für viele von uns noch einmal ganz neu erleben und erfahren lassen und die Worte des Paulus mit einem Zitat von Laotse ergänzt:
 
Pflichtbewusstsein ohne Liebe macht verdrießlich
Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart
Wahrhaftigkeit ohne Liebe macht kritiksüchtig
Klugheit ohne Liebe macht betrügerisch
Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich
Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch
Macht ohne Liebe macht grausam
Ehre ohne Liebe macht hochmütig
Besitz ohne Liebe macht geizig
Glaube ohne Liebe macht fanatisch
 
Noch ganz unter dem Eindruck der Andacht besuchten wir im Anschluss das Kloster und bekamen noch jede Menge byzantinischer Kirchenkunst zu sehen. Die goldenen Mosaike an den Decken zeigen, wie man sich im 11. Jahrhundert n. Chr. die biblischen Szenen und Protagonisten vorstellte. Auch dabei: der Apostel Paulus.
 
Den Abschluss des Tages bildete eine lange Busfahrt weiter in den Norden, den Meteoren-Klöstern entgegen. Ein kurzer Stopp an dem heißen Quellen von Thermopiles sorgte für eine heiße Abkühlung, der Stopp an der Raststätte kurz darauf für eine kühle Abkühlung bei Granatapfelsaft und Eis. Nach Sonnenuntergang erreichten wir unser Hotel in Karditsa.

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